Stärken und Schwächen der Bundesländer

Mit den beiden Gewinnern des Länderchecks, Baden-Württemberg und Bayern, zeigen zwei Bundesländer die größten Aktivitäten in der akademischen MINTAusbildung, die in diesem Bereich auch den größten Fachkräftebedarf und akute Fachkräfteengpässe haben.


Am unteren Ende des Bundesländervergleichs befinden sich hingegen eher strukturschwächere Regionen, in denen auch keine starken Fachkräfteengpässe zu beobachten sind. Industrieentwicklung, regionale Arbeitsmärkte und Hochschulentwicklung beeinflussen sich also zu einem gewissen Grad gegenseitig. Doch es gibt Ausnahmen: Berlin und Brandenburg weisen beispielsweise die geringsten Engpässe bei akademischen MINT-Fachkräften auf. Dennoch sind beide Länder überdurchschnittlich erfolgreich in ihrer MINT-Ausbildung an Hochschulen. Ähnliches gilt für Bremen. Etliche Absolventen dieser Länder wandern also in andere Teile der Republik ab und tragen dort zur Sicherung des Fachkräftepotenzials bei. Dort produziertes Wissen wird vielfach auch anderenorts genutzt.

Von den MINT-Stärken der Hochschulen der drei Länder profitieren deshalb in besonderer Weise die wirtschaftlich erfolgreichen Regionen im Süden, die aber nicht die Kosten für Forschung und Lehre tragen. Es findet also ein Transfer in umgekehrter Richtung des Länderfinanzausgleichs statt.



Baden-Württemberg

Gesamtbewertung: Spitzengruppe

Ergebnis In Baden-Württemberg gibt es anteilig besonders viele MINT-Studierende, die Zahlen sind in den vergangenen Jahren zudem stark gestiegen. Rund 30 Prozent aller Absolventen haben ein MINT-Fach studiert, der höchste Wert aller Bundesländer. Positiv entwickelt sich auch die Zahl der Wissenschaftler in den T-Fächern. Nur die Diversität nimmt nicht zu. Der Anteil internationaler Studierender sinkt sogar überdurchschnittlich stark.



Bayern

Gesamtbewertung: Spitzengruppe

Ergebnis In Bayern steigen die Studienanfängerzahlen in den MINT-Fächern besonders stark. Der Anstieg liegt bei 42 Prozent (MIN) sowie 54 Prozent (T) und damit jeweils mehr als zehn Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Auch das wissenschaftliche Personal wächst in beiden Fächergruppen. Dagegen ist die Studierendenschaft weniger international. Im Vergleich liegt Bayern bei den Technikstudierenden hier nur auf Platz 15 von 16 Bundesländern.



Berlin

Gesamtbewertung: oberes Mittelfeld

Ergebnis Berlin schafft es, mehr Frauen für MINT zu gewinnen, gleichermaßen in den MIN- und T-Fächern. Insgesamt gibt es einen Schub vor allem in den Ingenieurwissenschaften. Sowohl Studienanfänger- als auch Absolventenzahlen verdoppelten sich nahezu zwischen den Jahren 2008 und 2013. Das ist deutschlandweit die größte Entwicklung. Allerdings gibt es mit acht Prozent anteilig nur wenige MIN-Absolventen in Berlin. Nur zwei Länder weisen hier einen geringeren Anteil auf.



Brandenburg

Gesamtbewertung: oberes Mittelfeld

Ergebnis Brandenburg ist Spitzenreiter bei den Indikatoren zur Diversität. 19 Prozent der T-Studierenden kommen aus dem Ausland. Das ist bundesweit der höchste Wert. Auch der Frauenanteil in den Ingenieurwissenschaften ist mit 29 Prozent höher als anderswo. Doch insgesamt entwickeln sich die Studierendenzahlen negativ. Während die Anfängerzahlen bundesweit um 41 (T) beziehungsweise 32 Prozent (MIN) gestiegen sind, waren sie in Brandenburg sogar rückläufig (−9 und −21 Prozent).



Bremen

Gesamtbewertung: oberes Mittelfeld

Ergebnis Bremen ist ein starker Studienort für Naturwissenschaften. Nirgendwo in Deutschland ist der Anteil der Studierenden mit einem MIN-Abschluss so hoch wie in der Hansestadt (13 Prozent), der Anteil bei Studienanfängern liegt bei 19 Prozent (Platz zwei bundesweit). Der Internationalisierungsgrad in den MIN-Fächern ist ebenfalls weit überdurchschnittlich. Allerdings sank der Anteil an internationalen Studierenden zwischen den Jahren 2008 und 2013 um 2,4 Prozent, so stark wie in keinem anderen Bundesland.



Hamburg

Gesamtbewertung: Mittelfeld

Ergebnis Nur wenige Studierende entscheiden sich in Hamburg für ein MINT-Studium. Der Anteil der Studienanfänger, die ein MINT-Fach studieren, liegt bei zwölf Prozent, der Absolventenanteil sogar nur bei sechs Prozent. Das sind die geringsten Werte aller Bundesländer. Der Länderdurchschnitt beträgt 17 bzw. elf Prozent. Die T-Fächer schneiden kaum besser ab. Doch zumindest einige Entwicklungszahlen deuten eine Trendwende an. Anfängerzahlen und Personal in den MIN-Fächern sind in den vergangenen fünf Jahren überdurchschnittlich gestiegen.



Hessen

Gesamtbewertung: oberes Mittelfeld

Ergebnis Hessen zeigt überdurchschnittliche Indikatorenwerte bei MIN-Studienanfängern und T-Absolventen. Während aber die MIN-Anfängerzahlen um 41 Prozent zwischen 2008 und 2013 gestiegen sind, betrug der Zuwachs beim wissenschaftlichen Personal, also bei den Lehrverantwortlichen, nur 19 Prozent.



Mecklenburg-Vorpommern

Gesamtbewertung: Schlussgruppe

Ergebnis Mecklenburg-Vorpommern hat zwischen den Jahren 2008 und 2013 gegen den bundesweiten Trend Studienanfänger in den MINT-Fächern verloren. In den MIN-Fächern betrug der Rückgang 21 Prozent, bundesweit gab es 32 Prozent mehr Studienanfänger. Auch in den Ingenieurwissenschaften gab es weniger Studienanfänger (minus neun Prozent) statt wie im Bundesdurchschnitt starke Gewinne (plus 41 Prozent). Entsprechend verzeichnet das Land die geringsten Zuwachsraten beim wissenschaftlichen Personal.



Niedersachsen

Gesamtbewertung: unteres Mittelfeld

Ergebnis Niedersachsen hat zwei gegenläufige Trends in den MIN-Fächern: Die Studienanfängerzahlen stiegen mit 35 Prozent zwischen den Jahren 2008 und 2013 überdurchschnittlich stark an. Die Zahl der Absolventen sank dagegen um 18 Prozent. Das ist der geringste Wert aller Bundesländer. Eine mehrheitlich ungünstige Entwicklung zeigt sich im Themenfeld Diversität. Fünf der acht Indikatoren entwickeln sich schlechter als im Länderdurchschnitt. Insbesondere der Anteil internationaler Studierender sank deutlich.



Nordrhein-Westfalen

Gesamtbewertung: Mittelfeld

Ergebnis Nordrhein-Westfalen wird als Studienort für MINT attraktiver. Die Anfängerzahlen nehmen um 56 (MIN) und 75 Prozent (T) zu. Das sind bundesweit Spitzenwerte. Weniger gut steht es um die Diversität. Der Anteil internationaler Studierender sinkt in den MIN- und T-Fächern stärker als im Bundesdurchschnitt.



Rheinland-Pfalz

Gesamtbewertung: Mittelfeld

Ergebnis In Rheinland-Pfalz zeigen sich große Unterschiede zwischen MIN- und T-Fächern. Während nur neun Prozent aller Absolventen einen Ingenieurabschluss haben, der zweitniedrigste Wert aller Bundesländer, besitzen 13 Prozent einen MIN-Abschluss. Nur Bremen ist hier besser. Ein zentrales Handlungsfeld für die Hochschulen des Landes ist die Erhöhung der Diversität in den MINT-Fächern. Rheinland-Pfalz ist hier bundesweit Schlusslicht. Sechs der acht Indikatoren liegen unter dem Bundesdurchschnitt.



Saarland

Gesamtbewertung: Schlussgruppe

Ergebnis Das Saarland erreicht bei den Indikatoren zum Stand und zur Entwicklung bei MINT-Studierenden die schlechteste Bewertung aller Bundesländer. Insbesondere die Ingenieurwissenschaften sind dafür verantwortlich: Nur sieben Prozent aller Absolventen sind Ingenieure, bundesweit sind es doppelt so viele. Die Zahl an Absolventen sank zwischen 2008 und 2013 um 19 Prozent. Bundesweit stieg sie um 46 Prozent. Nur 13 Prozent der Studienanfänger wählen ein ingenieurwissenschaftliches Fach. Bundesweit sind es 22 Prozent. Bei allen drei Indikatoren ist das Saarland Schlusslicht im Ländervergleich.



Sachsen

Gesamtbewertung: Mittelfeld

Ergebnis Sachsens Hochschulen bilden die meisten Ingenieure aus. 30 Prozent der Studienanfänger und 19 Prozent der Absolventen kommen aus den technischen Fächern, mehr als in jedem anderen Bundesland. Der Anteil am wissenschaftlichen Personal beträgt 27 Prozent, im bundesweiten Durchschnitt sind es nur 16 Prozent. Im Gegensatz dazu schneiden die MIN-Fächer schlecht ab. Die Absolventenzahlen sind beispielsweise zwischen 2008 und 2013 um zwölf Prozent zurückgegangen, obwohl sie bundesweit um acht Prozent gestiegen sind.



Sachsen-Anhalt

Gesamtbewertung: Schlussgruppe

Ergebnis Der Ausbau der MINT-Fächer geht in Sachsen-Anhalt langsamer voran als in anderen Bundesländern. Die Zahl der Wissenschaftler stieg zwischen 2008 und 2013 um nur acht Prozent in den MIN-Fächern und um elf Prozent in T-Fächern. Zum Vergleich: Bundesweit wuchs das Personal um 25 Prozent (MIN) beziehungsweise 35 Prozent (T). Besser steht es um die Gewinnung internationaler Studierender für mehr Diversität bei den Studierenden: 17 Prozent der angehenden Ingenieure kommen aus dem Ausland, nur in Brandenburg ist der Anteil höher.



Schleswig-Holstein

Gesamtbewertung: Schlussgruppe

Ergebnis In keinem anderen Bundesland sind anteilig weniger Wissenschaftler in den MINT-Fachbereichen beschäftigt. Nur sieben Prozent sind es bei den Ingenieuren, bundesweit liegt der Anteil bei 16 Prozent. Das Personal in den MIN-Fächern liegt mit 18 Prozent ebenfalls deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 23 Prozent. Das steht im Widerspruch zur Dynamik bei den Studierenden. 22 Prozent aller Studienanfänger im Land zwischen Nord- und Ostsee haben ein MIN-Fach gewählt, so viel wie in keinem anderen Bundesland.



Thüringen

Gesamtbewertung: Mittelfeld

Ergebnis Thüringen ist das einzige Bundesland, in dem sowohl Studienanfänger- als auch Absolventenzahlen in den Ingenieurwissenschaften zwischen 2008 und 2013 zurückgingen. Bundesweit betrug der Anstieg jeweils mehr als 40 Prozent. Dennoch ist der Anteil der angehenden Ingenieure an allen Studierenden noch immer hoch. Weniger stark rückläufig waren die Zahlen von Frauen und internationalen Studierenden, sodass deren Anteile in den MINT-Fächern entgegen dem bundesweiten Trend zugenommen haben.