Private Drittmittel

Prvate Drittmittel (Deutschlandkarte)


BewertungSpitzengruppe

Mittelgruppe

Schlussgruppe


abcdStatus Wirtschaft 2010
Veränderung Wirtschaft 2000-2010

Status Stiftungen 2010
Veränderung Stiftungen 2000-2010

Im Jahr 2010 konnten die Hochschulen 1,2 Milliarden
Euro Drittmittel von Unternehmen einwerben. Sie hatten
damit einen Anteil von 21 Prozent an allen Drittmitteln.
Zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 28 Prozent.
Das zeigt, dass der Anteil der Drittmittel, die aus der
Wirtschaft stammen, weniger stark steigt als der Anteil
aller anderen Drittmittelquellen.


Die Formen der Kooperation zwischen Unternehmen und Hochschulen, in denen diese Drittmittel fließen, verändern sich. Neben der Auftragsforschung gewinnen strategische Partnerschaften, die sich auch auf Fragen der Grundlagenforschung konzentrieren, an Bedeutung. Gleichwohl kann davon ausgegangen werden, dass der größere Anteil der Drittmittel von Unternehmen in stärker anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung fließt.

In einer Befragung der Hochschulleitungen im Jahr 2011 haben über 90 Prozent der technischen Universitäten und Fachhochschulen angegeben, dass die Kooperation mit Unternehmen in der Region gut bzw. besonders gut gelingt. Dies würde einen Vorteil für solche Hochschulen implizieren, die in wirtschafts- und forschungsstarken Regionen liegen. Im Rahmen von strategischen Partnerschaften suchen Unternehmen jedoch bundesweit und international nach ausgewiesenen Partnern. Es ist dennoch eine interessante Frage, ob vor allem starke Wirtschaftsregionen hohe Anteile privater Drittmittel aufweisen.

Die Drittmittel von Stiftungen bilden den kleinsten Anteil am Drittmittelmix der Hochschulen. Sie beteiligten sich an der Drittmittelfinanzierung von Hochschulen im Jahr 2010 mit 422 Millionen Euro. Die Summe der Stiftungsdrittmittel hat sich mehr als verdoppelt, der Anteil ist jedoch lediglich von sechs auf sieben Prozent angestiegen. Auch hinsichtlich des Anteils an der gesamten Hochschulfinanzierung stehen Stiftungen lediglich für 1,6 Prozent aller Mittel.

Über die Kooperationen von Stiftungen und Hochschulen lässt
sich nur schwer eine Aussage treffen, da Zweck, Form und
regionale Relevanz der Drittmittelbeziehungen dieser Kooperationen
wenig beleuchtet sind. Einzelne große Stiftungen, wie zum Beispiel die VolkswagenStiftung, konzentrieren sich auf die Förderung von Grundlagenforschung. Andere fördern Stiftungsprofessuren oder Strukturentwicklung. Ein Blick in die Stiftungszwecke in Deutschland zeigt jedoch, dass unabhängig von Form, Volumen und konkretem Inhalt Bildung und Wissenschaft wichtige Stiftungszwecke sind.


Saarland und Sachsen bei Unternehmensdrittmitteln vorne
Setzt man die Unternehmensdrittmittel in das Verhältnis zu der Grundfinanzierung, so machen die Mittel von Unternehmen im Saarland 7,6 Prozent an den Grundmitteln aus, in Sachsen 7,5 Prozent. Aufgrund überdurchschnittlicher Veränderungsraten konnten beide Bundesländer diesen Anteil mehr als verdoppeln und belegten im Jahr 2010 bei beiden Indikatoren den Spitzenplatz. Gleichzeitig fällt auf, dass das Volumen der Grundmittel im Saarland und in Sachsen im selben Zeitraum stagniert. Die Strategie der Hochschulen ist es möglicherweise, die stagnierenden Grundmittel mit dieser Steigerung der Unternehmensdrittmittel zu kompensieren.


Drittmittel der Wirtschaft (Grafik)Unternehmensdrittmittel gewinnen im Osten an Bedeutung
Im privaten Drittmittelwettbewerb zeigt sich, dass die ostdeutschen Bundesländer außer Sachsen insgesamt unterdurchschnittlich erfolgreich sind. Sie landen in der Schluss- oder in der Mittelgruppe. Zwar ist die Höhe des Anteils gemessen an den Grundmitteln in allen ostdeutschen Bundesländern leicht unter dem Durchschnitt, jedoch zeigt sich ein positiver Trend. Drittmittel von Unternehmen gewinnen dort an Bedeutung. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt steigerten den Anteil der Unternehmensdrittmittel gemessen an den Grundmitteln überdurch- schnittlich. Berlin und Thüringen zeigen einen gegenläufigen Trend innerhalb der ostdeutschen Bundesländer: Hier gelang es den Hochschulen in den vergangenen zehn Jahren nicht, den Anteil der Unternehmensdrittmittel stark zu steigern.


Baden-Württemberg und Bayern verlieren Spitzenplätze
Auch Bayern und Baden-Württemberg gelang es nicht, den Anteil der Unterneh- mensdrittmittel gemessen an den Grundmitteln in den vergangenen zehn Jahren stark zu steigern – Bayern weist eine sehr niedrige, Baden-Württemberg eine negative Veränderungsrate auf. Sie mussten daher ihre Spitzenplätze aus dem Jahr 2000 räumen. Allerdings fließt immer noch gut ein Drittel aller Unternehmensdrittmittel bundesweit in die beiden süddeutschen Flächenländer.



Wirtschaftskraft und Hochschulprofil wichtig für Erfolg
Ein direkter Zusammenhang zwischen der Wirtschaftskraft des Bundeslandes und dem Erfolg bei der Einwerbung von Unternehmensdrittmitteln lässt sich nicht feststellen. Es gibt dennoch einige Parallelen. Zieht man die Wirtschaftskraft – gemessen am BIP pro Einwohner – heran, so zeigt sich, dass von den Bundesländern, die 2010 auf einen hohen Anteil von Unternehmensdrittmitteln verweisen konnten (Bremen, Saarland, Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen) drei eine überdurchschnittliche Wirtschaftskraft aufweisen. Die Bundesländer mit einem kleinen Anteil von Unternehmens- drittmitteln finden sich alle bis auf Hamburg bei dem Vergleich der Wirtschaftskraft im unteren Drittel der Bundesländer wieder. Sachsen ist das erfolgreichste ostdeutsche Bundesland und auch hinsichtlich seiner Wirtschaftskraft auf Platz eins dieser Vergleichsgruppe.

Ein weiterer Einflussfaktor für den Erfolg bei Unternehmensdrittmitteln könnte das Forschungsprofil eines Bundeslandes sein. So zeigen sich hohe Anteile an Unternehmensdrittmitteln in einzelnen Bundesländern mit einer Forschungsstärke in solchen Disziplinen, die leicht anschlussfähig an potentielle Interessen von Unternehmen sind. Ein Beispiel: Das Saarland mit einem hohen Anteil an Unternehmensdrittmitteln zeigt eine besondere Forschungsstärke – gemessen an den Anteilen der DFG-Mittel, die für diese Fächer bewilligt wurden – in der Informatik, System- und Elektrotechnik sowie in der Medizin.


Stiftungsdrittmittel: Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Hessen vorn
Der bundesweite Durchschnitt für den Anteil der Stiftungsdrittmittel, bezogen auf alle Grundmittel, liegt lediglich bei 2,1 Pro-
zent. Dies zeigt die noch vergleichsweise geringe Relevanz dieser Drittmittelquelle für die Hochschulfinanzierung. Berlin ist mit einem Stiftungsdrittmittelanteil von 4,9 Prozent Spitzenreiter, gefolgt von Baden-Württemberg mit einem Anteil von 3,2 Prozent. In diesen beiden Ländern führen die dort ansässigen Stiftungen zu über 30 Prozent die Stiftungszwecke Bildung und Wissenschaft. Eine vergleichbar hohe Priorität dieser Stiftungszwecke zeigt sich nur noch in Hessen und Hamburg. Darüber hinaus existiert in Baden-Württemberg mit der Landesstiftung Baden-Württemberg, die staatliche Fördermittel verteilt, ein eigenes Förderinstrument, das zu diesem hohen Anteil an Stiftungsdrittmitteln beigetragen haben könnte.

Auffällig sind die hohen positiven Veränderungsraten in Bremen (38 Prozent pro Jahr) und Hessen (18,9 Prozent pro Jahr). Allerdings bleiben beide Bundesländer trotz dieser hohen Steigerungsraten auch 2010 deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt.


Ostdeutsche Länder bei Stiftungsdrittmitteln Schlusslicht
Bei Stiftungsdrittmitteln können die ostdeutschen Bundesländer wenig punkten – nur Berlin ist mit einem Anteil von 4,9 Prozent, gemessen an den Grundmitteln, und einer überdurchschnittlichen Wachstumsdynamik erfolgreich. Dieser schwache Erfolg der ostdeutschen Bundesländer im Stiftungssektor könnte mit einer noch weniger stark entwickelten Stiftungslandschaft in dieser Region erklärt werden. Das Potenzial von Drittmittelgebern aus dem gemeinnützigen Sektor ist hier schlichtweg geringer.


Hamburg: Schlusslicht bei privaten Drittmitteln
Im Wettbewerb um private Drittmittel ist Hamburg bei allen vier Indikatoren das Schlusslicht. Ein Anteil von 1,8 Prozent, gemessen an den Grundmitteln, kommt von Unternehmen, 0,4 Prozent kommen von Stiftungen. In beiden Bereichen zeigt sich außerdem eine negative Veränderungsrate.

Indikatoren und Gewichtung der Kategorie "Private Drittmittel"


I.7
I.8
Drittmittel der Wirtschaft (75 %*)
Verhältnis Drittmittel der Wirtschaft zu Grundmitteln in Prozent, 2010
Jährliche Veränderungsrate Drittmittel der Wirtschaft zu Grundmitteln in Prozent, 2000 bis 2010

I.9
I.10

Drittmittel von Stiftungen (25%*)
Verhältnis Stiftungsmittel zu Grundmitteln in Prozent, 2010
Jährliche Veränderungsrate Stiftungsmittel zu Grundmitteln in Prozent, 2000 bis 2010

* Die Gewichtung orientiert sich an dem Anteil dieses Drittmittelgebers an dem Gesamtvolumen der Kategorie
   "Private Drittmittel".